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Einatmen, Ausatmen, Gähnen
Frühere Hinweise deuteten schon darauf hin, dass beim Gähnen Liquor und venöses Blut gemeinsam kaudalwärts, also Richtung Rückenmark beziehungsweise Thorax, bewegt werden könnten. Um das zu untersuchen, verwendeten die WissenschaftlerInnen eine Magnetresonanzangiographie in der Horizontalebene auf Höhe des dritten Halswirbels, um den Liquor- und Blutfluss zu messen. Zusätzlich nutzten sie Echtzeit-MRT-Aufnahmen in der Medianebene, um Zungen- und Orofacialbewegungen zu verfolgen. Untersucht wurden vier verschiedene Situationen:
Deutliche Unterschiede• normales Atmen,
• Gähnen,
• unterdrücktes Gähnen und
• ein bewusst ausgeführter tiefer Atemzug, der ein Gähnen nachahmen sollte.
Sowohl tiefe Atemzüge als auch Gähnen verstärkten den Liquorfluss und den venösen Abfluss deutlich gegenüber normaler Atmung. Dabei entdeckten die ForscherInnen zusätzlich einen deutlichen Unterschied zwischen tiefer Einatmung und dem Gähnen: Bei tiefem Einatmen bewegte sich der Liquor typischerweise kranial, also zum Gehirn hin, während gleichzeitig die Jugularvene mehr Blut kaudal aus dem Schädel ableitete. Beim Gähnen hingegen verlaufen sowohl Liquorfluss als auch der venöse Abfluss sehr häufig gleichzeitig nach kaudal.
Woran liegt das?
Die MRT-Befunde zeigen, dass Gähnen vielmehr ist, als nur ein bloßes Einatmen, sondern aus einer komplexen motorischen Abfolge besteht: Zuerst entsteht eine Zungenretraktion mit einer starken Mundöffnung, gefolgt von einer charakteristischen Deformation der Zunge am Gipfel des Gähnens. Danach folgt ein rascher Übergang zur Ausatmung und die Rückkehr in den Ruhezustand. Beim tiefen Atemzug mit offenem Mund ist die Abfolge grob ähnlich, aber die Zungenbewegungen sind weniger ausgeprägt und die Deformation geringer. Auch unterdrückte Gähner sahen intern noch stark nach echtem Gähnen aus: Selbst, wenn der Mund teilweise geschlossen blieb, lief das Zungenmuster häufig weiter.
Nach einem Gähnen wird häufig kurz darauf geschluckt: bei rund 81 Prozent der tatsächlich ausgeführten und bei etwa 68 Prozent der unterdrückten Gähner folgte ein unmittelbares Schlucken. Dies fand nur bei 16 Prozent der tiefen Atemzüge statt.
Und wozu das Ganze?
Der gesteigerte Liquor- und Venenfluss könnte Auswirkungen auf den Abtransport von Stoffwechselprodukten und den Wärmehaushalt des Gehirns haben, allerdings weisen die ForscherInnen darauf hin, dass die Studiendaten nicht ausreichen, um diese Hypothesen zu bestätigen.
Übrigens: Abseits dieser Studie gibt es deutliche Hinweise auf den sozialen Charakter des Gähnens. Besonders empathische Menschen neigen zu einer stärkeren Aktivierung der Spiegelneurone und können nur sehr schwer das Gähnen unterdrücken, wenn sie ihr Gegenüber dabei beobachten. Da Empathie bei PhysiotherapeutInnen zur Kernkompetenz gehört, fühlen Sie sich in Zukunft also nicht schlecht dabei, wenn Sie ein Gähnen erwidern – das ist ein Zeichen Ihres Empathievermögens.
Daniel Bombien / physio.de
GehirnBlutPsychologieStudie
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