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Osteopathie – Überzeugung oder Wettbewerb?
Die sanfte Heilmethode kritisch betrachtet
19.12.2012 • 0 Kommentare

Gestresste Ärzte, kurze Behandlungen – immer häufiger wenden sich Patienten den alternativen Heilmethoden zu. Die Therapeuten nehmen sich ausreichend Zeit für die Patienten, hören zu und behandeln ganzheitlich. Rund 5,12 Millionen Patienten suchen jährlich einen Osteopathen auf.

Positiv betrachtet übernehmen mittlerweile viele gesetzliche Krankenkassen anteilig diese Heilmethode. Stundensätze ab 60 Euro aufwärts werden somit weitestgehend von der Zuzahlung abgedeckt und schonen den Geldbeutel des Patienten. Ob die Übernahme dieser Heilmethode auch aus Überzeugung der Krankenkassen geschieht, scheint fraglich zu sein. Vielmehr wird sich nach den Interessen der Patienten gerichtet: "Bei der Auswahl der neuen Leistungen haben wir uns an den Wünschen unserer Kunden orientiert. Wir wissen von unseren Versicherten, dass sie eine gewisse Affinität für die sogenannte sanfte Medizin haben. Dazu gehört auch die Osteopathie", erklärt die Techniker Krankenkasse (TK) hierzu.

Sie war die erste gesetzliche Krankenkasse, die Anfang des Jahres die Osteopathie in ihr Repertoire aufgenommen hatte. Andere Institutionen zogen scheinbar aus Wettbewerbsgründen nach. "Ich fürchte, dass die Krankenkassen die Evidenz an zweiter Stelle sehen", erklärt Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin von der Universität Exeter. "In erster Linie müssen sie wettbewerbsfähig bleiben."

Neben den Osteopathen betrachten auch Ärzte und Wissenschaftler die Wirksamkeit der Osteopathie bei Rückenbeschwerden als erwiesen. Immer häufiger greifen auch Ärzte lieber zu der sanften Heilmethode, als mit ruckartiger Chiropraktik die Rückenbeschwerden zu beheben.

"Bei Kreuzschmerzen können osteopathische Wirbelsäulenmanipulation und Mobilisierung wirksam sein", äußert Ernst, der zugleich auch der Herausgeber seines Buches "Praxis Naturheilverfahren: Evidenzbasierte Komplementärmedizin" ist. "Für alle anderen Indikationen ist die Datenlage nicht ausreichend, um stichhaltige Empfehlungen abgeben zu können."

Karl-Ludwig Resch, Leiter des Deutschen Institutes für Gesundheitsforschung in Bad Elster, sieht jedoch den Einsatz der Osteopathie auch in anderen Bereichen positiv: "Die Studien haben eine frappierende Anhäufung von positiven Ergebnissen geliefert."

Undurchsichtig scheinen auch die Bedingungen der Krankenkassen zu sein: Manche Kassen fordern ein Osteopathie-Rezept von einem Arzt, andere wiederum geben sich mit einem Rezept von einem Heilpraktiker zufrieden. Ob ein Therapeut die fünfjährige Ausbildung absolviert hat oder aber nur ein paar Kurseinheiten in craniosakraler Osteopathie – eine (fundierte) Ausbildung eines Therapeuten ist nicht auf Anhieb erkennbar.

"Was uns in Deutschland fehlt, ist nachvollziehbare Qualitätssicherung auf allen Ebenen", erklärt Marina Fuhrmann, Vorsitzende des Verbands der Osteopathen Deutschland. "Patientensicherheit und einheitliche Ausbildungsstandards müssen oberste Priorität haben."

AvB / physio.de

Siehe auch: Osteopathie auf dem Vormarsch

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